“Wohin führen diese Gleise?!”

»Wohin führen diese Gleise?« | Jugendliche erforschen die Gegenwart der (NS-)Geschichte im Gleisdreieckspark

Foto: Axel Kull

Seit dem 6. Juli 2026 präsentiert das Jugend Museum die Werkschau zum Projekt „Wohin führen diese Gleise?!“. Sie gibt Einblicke in den Forschungsprozess und die vielfältigen Ergebnisse des Projekts. Zu sehen sind unter anderem Interviews mit Fachleuten, ein selbst produzierter Song sowie die Entwicklung eines Gedenkzeichens im Park und der künstlerischen Plakat-Aktion unter den Yorckbrücken.

Worum ging es im Projekt?

Von September 2025 bis Juli 2026 erforschten 16 Schüler*innen einer 9. Klasse des Robert-Blum-Gymnasiums gemeinsam mit dem Jugend Museum die Gegenwart der NS-Geschichte im Park am Gleisdreieck.

Was für Gleise?

Der historische Ort, früher Berlins größter Eisenbahnknoten, ist heute ein Freizeitort, den auch viele Jugendliche nutzen. Zwischen Wiesen, Spiel- und Sportflächen, wilder Vegetation und Bereichen für Natur- und Umweltschutz finden sich überall ehemalige Gleise, die Yorckbrücken und andere historische Spuren.

Ausgehend von diesem Ort fragten die Jugendlichen: Wohin führten diese Gleise früher? Was bedeutet das heute? Wie soll daran erinnert werden?

Welche Geschichten sind mit den Gleisen verknüpft?

Ausgangspunkt der Recherchen waren Biografien von Menschen, für die der Anhalter Bahnhof während des Nationalsozialismus eine entscheidende Rolle spielte. In vielen Lebensgeschichten von antisemitisch oder politisch Verfolgten war der Anhalter Bahnhof ab 1933 eine Zwischenstation für Auswanderung, (Jugend-)Alija, Flucht ins Exil oder Kindertransporte nach Großbritannien. Zugleich ist der Ort mit Geschichten von Zwangsarbeit und den Deportationen nach Theresienstadt und in andere Konzentrationslager verknüpft.

Was haben die Jugendlichen gemacht?

Die Jugendlichen erforschten Biografien anhand von Fotografien, Karten, Dokumenten und weiteren historischen Quellen. Dabei setzten sie sich auch mit der Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus auseinander und mit der Frage, wer für die Verbrechen verantwortlich war und wie sie ermöglicht wurden.

Außerdem beschäftigten sie sich mit ihren eigenen Familiengeschichten: Welche Spuren hat die NS-Zeit hinterlassen? Welche Bedeutung haben diese Ereignisse für ihr Leben heute und wie wirkt die Vergangenheit bis in die Gegenwart hinein? Durch Interviews und Gespräche mit Parkbesucher*innen setzten sie das Thema in Beziehung zu anderen Erfahrungen und Perspektiven.

Aus den Recherchen entwickelten die Jugendlichen eigene künstlerische Ausdrucksformen. Die Verbindung aus historischer Spurensuche und kreativem Arbeiten eröffnete neue Perspektiven darauf, wie Erinnerung heute sichtbar werden kann.

Das Projekt „Wohin führen diese Gleise?!“ wurde im Rahmen des Programms „MemoRails – Halt! Hier wird an NS-Geschichte erinnert“ von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) gefördert.

Weitere Informationen und Ergebnisse unter:

https://www.stiftung-evz.de/memorails/berlin

Museen Tempelhof-Schöneberg
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